Portrait Godehart
Werner D. Godehart
„...Bei uns auf der Glasfabrik waren etwa 200 Polen, Ukrainer, vielleicht waren auch ein paar Russen schon dabei. Und die mussten die Hilfsarbeiten auf dieser Fabrik machen. Wir waren ja eine wichtige Fabrik für die Produktion von Dynamit, weil wir ja Glasballons machten. Und Glas ist ja der einzige Stoff, der resistent ist gegen alle Säuren, außer Flusssäure, aber die wurde ja auch dazu nicht gebraucht.
Diese Polen und Ukrainer, dazu kamen dann ja auch noch Ukrainerinnen, wie gesagt, machten bei uns die Hilfsarbeiten. Die Ukrainerinnen montierten Flaschen und machten Körbe. Sie waren wirklich bei uns sehr beliebt. Sie waren sehr, sehr fleißige Leute, was sie auch sein mussten, weil sie ja sonst - na ja, ich will nicht sagen irgendwo hingetreten wurden, aber das wäre schon nicht so gut gewesen. Die wohnten bei uns auf der Hütte in einer Holzbaracke, die Ukrainerinnen, während die Männer alle auf dem so genannten „Anker“, jenseits der Weserbrücke wohnten. Der „Anker“ war früher ein Ausflugslokal und später dann ein RAD-Heim. Also, was ist RAD? Reichsarbeitsdienst - ein Pfeiler davon steht ja noch da, da steht das noch dran. Es waren eine Menge Leute, die jeden Mittag verpflegt werden mussten und wir hatten dazu einen kleinen Panjewagen, der zwischen dem „Anker“ und der Hütte immer hin und herfuhr. Weil, das Essen, was meistens Kohlsuppe oder so etwas Ähnliches war, das wurde bei uns gekocht, musste aber dann zum „Anker“ gebracht werden, weil die anderen Arbeiter von Stolle und von Thies und von Ernsting et cetera dort zum Essen kamen.
Nun ist das Leben auf einer Glasfabrik nicht besonders lustig und auch nicht besonders leicht. Die mussten eben Kohlen schaufeln, in der Wanne arbeiten, in der ist es ja heiß und dreckig ist.
Meine Mutter bekam zum Beispiel eine Ukrainerin als Haushaltshilfe. Das war eine sehr liebe Frau, etwa 25 Jahre alt. Mein Vater hat zwei oder drei Verwarnungen bekommen, weil sowohl sie bei uns im Haus waren, als auch bei uns am Tisch aßen. Und das war nicht erlaubt....“
Werner D. Godehart

geb. 21.8.1929 in Nienburg
Besuch der Katholischen Volksschule und
der Oberschule für Jungen bis 1945
Industriekaufmann in Bremen, Brasilien und Jamaica
1960 zur Glasfabrik Wilhelmshütte Himly-Holscher&Co
bis 1994 dort als Prokurist tätig