Der Lange Arm der Partei
Gauleitung

Gehorsamkeit

Luise Wyneken

Alles unter Kontrolle

Demonstrationen der Macht

Arbeitserziehungslager Liebenau
Gauleitung
Briefkopf NSDAP
Offizieller Briefkopf der Parteileitung, Ortsgruppe Nienburg. Nienburg gehörte damals zum Gau Süd-Hannover-Braunschweig.
Quelle: Godehart
Das "Braune Haus" in der Georgstraße war ab 1933 der Sitz der Parteileitung. Später zog dort die SS ein.
Foto: Museumsarchiv
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Vorladung
Braunes Haus
Gehorsamkeit
Auch kleinere Vergehen, wie eine Beleidigung (siehe unten), wurden sofort geahndet. Die Betroffenen mussten bei der Parteileitung in der Parkstraße oder bei der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in der Moltkestraße aussagen (siehe oben). Quelle: Gieseking
Beleidigung
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Luise Wyneken
Luise Wyneken


Am 8. März 1933 hissten SA-Leute schwarz-weiß-rote und Hakenkreuzfahnen auf den öffentlichen Gebäuden. Die schwarz-goldenen Weimarer Nationalfahnen wurden auf dem Schloßplatz verbrannt. Luise Wyneken (am Fenster), Leiterin der Haushaltungsschule, gab die Fahne nicht heraus. "Vergessen sie nicht: Einigkeit und Recht u. Freiheit usw. Sie können diese Fahne verbrennen, aber sie können sie nicht aus unserem Herzen reißen (sic!)!"

Quelle: Archiv der deutschen Jugendbewegung NWyn. 2207
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Bahnhof 1938
Alles unter Kontrolle

Sämtliche Zugfahrten mussten polizeilich genehmigt werden. Im Sommer 1944 erhält Ludwig Godehart die Erlaubnis, seinen Sohn vom Ferienlager abzuholen. Der alte Nienburger Bahnhof (rechts) war damals ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für die Nienburger.
Quelle: Godehart; Foto: Schneegluth
fahrkarte
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Demonstrationen der Macht
SA auf dem Schloßplatz
Der Schloßplatz (hinten die später zerstörte Haushaltungsschule) als Dreh und Angelpunkt: Immer wieder gab es dort Aufmärsche und Kundgebungen. Hier eine auswärtige SA-Gruppe, die zum Appell angetreten ist.
Foto: Schneegluth
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Arbeitserziehungslager Liebenau


Auf dem Gelände der Liebenauer Schule an der Schloßstraße standen die Baracken des ehemaligen „Arbeitserziehungslagers“. Heute erinnert eine Gedenktafel am Schulgebäude an die Todesopfer.

Im Sommer 1940 hatte die Geheime Staatspolizei (Gestapo) das Lager eingerichtet. Schon geringste Vergehen am Arbeitsplatz (Unpünktlichkeit, langsames Arbeiten – der Zeitzeuge Gerhard Henking berichtet darüber, und Ilse Gieseking erwähnt das Arbeitserziehungslager im Kapitel Zwangsarbeiter) oder aufmüpfiges Verhalten wurden mit Haft bestraft. Dazu der ehemalige Lagerkommandant Winkler: „Die Fremdarbeiter hatten zum Beispiel auf den ‚freien Arbeitsstellen’ nicht ausreichend gearbeitet und wurden dann für 21 oder 42 Tage eingewiesen. Als Deutscher konnte man schon als ‚Querulant’ eingewiesen werden, wenn es zur KZ-Einweisung noch nicht reichte.“ Die Lagerinsassen mussten auf der Baustelle der Pulverfabrik und auch bei der Eibia selbst arbeiten. Die Lebensbedingungen waren grausam. Dazu stellte die Staatsanwaltschaft Verden fest: „Die allgemeinen Lagerverhältnisse entsprachen im wesentlichen denen eines Konzentrationslagers. Die Häftlinge mussten bei schlechter Verpflegung schwer arbeiten und wurden häufig misshandelt. Die ärztliche Versorgung war mangelhaft. Infolge dieser Verhältnisse starb eine große Zahl von Häftlingen.“ Das Lager bestand bis zum Mai 1943, als die Gestapo es auflöste und die verbliebenen Häftlinge ins Lager Lahde (bei Minden) zum Bau einen Kraftwerkes verlegte.

Aus: Bodo Förster/Martin Guse: „Ich war in eurem Alter, als sie mich abholten!“ Zur Zwangsarbeit der ukrainischen Familie Derewjanko in Berlin-Schöneberg und Steyerberg/Liebenau 1943 bis 1945; Herausg.: Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau e.V., Förderverein Sophie-Scholl-Oberschule Berlin; Berlin 2002

Im Arbeitserziehungslager wurden aber nicht nur Häftlinge inhaftiert sondern auch hingerichtet. Dazu nutzte man einen transportablen Eisengalgen. Als Hinrichtungsgrund reichten „Widersetzlichkeit und Arbeitsunlust“. Damit war auch das Verbot sexueller Kontakte zwischen Polen und Deutschen gemeint. In Liebenau wurde erstmals im Herbst 1940 ein polnischer Gefangener hingerichtet. Ihm wurde Geschlechtsverkehr mit einer deutschen Frau vorgeworfen. Bei den Exekutionen mussten - zur Einschüchterung - die anderen Häftlinge, Zwangsarbeiter aus der Pulverfabrik, aber auch Einwohner Liebenaus zusehen. Zeugen sagten aus, dass in Liebenau 35 bis 40 Menschen von der Gestapo hingerichtet wurden.

Aus: Rolf Wessels: Das Arbeitserziehungslager in Liebenau 1940-1943, Historische Schriftenreihe des Landkreises Nienburg/Weser, Band 6; Nienburg 1990
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