Portrait Roesler
Gerd Rösler
„...Mit der Partei habe ich nichts am Hut gehabt. Ich konnte da auch gar nichts mit anfangen. Da bin ich ganz ehrlich. Pimpf sein machte Spaß, weil die Nazis verstanden ja eines, sie haben die Kinder von der Straße geholt, es wurde der Gemeinsinn geübt, es wurden Kriegsspiele geübt, was für Jungs ganz interessant war, wir haben uns in den Wäldern rumgeschlagen und gekloppt wie die Kesselflicker, eine Gruppe gegen die andere, da wurde dann tarnen geübt und die anderen dann Angriff und so. Das ist für Kinder reizvoll. Da kann man doch mal zeigen, wer man ist. Das haben die nämlich sehr gut verstanden. So doof waren die nämlich nicht.

...Zum 1. Mai war in Nienburg immer ein großer Umzug damals und am 1. Mai ging mein Vater im Smoking und Zylinder, so trat diese Kapelle dann auf. Der Kapellmeister, Herr Deke, war im Frack. So marschierte diese Kapelle. Sie setzte sich aus den Schülern dieser Musikschule zusammen und war gleichzeitig Stadtkapelle. Die gingen also vor dem 1. Mai 1933 aus dem Haus und man war ja als Kind ein bisschen stolz, wenn der Vater irgendwo drin war, dann stand man da an der Ecke und wartete und mit einmal kam um die Ecke eine SA-Kapelle. Die ganze Kapelle war in SA-Uniformen.
Der Herr Deke, da kann ich mich noch heute drauf besinnen, der hatte hier zwei Sterne, der war also schon Führer irgendwie, wie sich das nannte weiß ich auch nicht. Jedenfalls hat mein Vater abends erzählt, sie haben sich auf dem Schlossplatz getroffen, da sei die Kapelle von SA-Männern umzingelt worden, sie seien in die Turnhalle der Schule geleitet worden, da lagen SA Uniformen und sie seien gezwungen worden, diese SA-Uniformen anzuziehen und ihren Smoking und Frack an den Nagel zu hängen...“
27.2.1926 in Nienburg
Lehre als Bankkaufmann
Personalratsvorsitzender Deutsche Bundesbank
am 11.12.2002 in Nienburg gestorben