Herrmann Ziegler
Hermann Ziegler
„...Ich hatte meinen Ausbildungsplatz in der alten Stahn-Villa, wo heute die Avacon ist. In dem Büro zeigten die Fenster zum Schlossplatz hin. Ich konnte aber den Schlossplatz aus dem Fenster nicht einsehen, da dort hohe Bäume standen. Aber ich sah, wie dann über den Baumwipfeln Rauch aufstieg. Ich denke: „Donnerwetter, was ist denn los. Das ist ja merkwürdig?“ Nach einer halben Stunde rauchte das immer noch. Da ging ich hin und kam darauf zu, wie die Synagoge zerstört wurde.
Die stand ja nun ganz eng zwischen den Häusern. Sie wurde also zerstört und nicht angesteckt. Da wurden an die Bänke dicke Seile geknüpft, dann rissen die SA-Leute die Bänke heraus, zerschlugen sie und steckten sie an. Und in dem Augenblick, da sah ich, wie der jüdische Leichenwagen angefahren wurde. Der wurde auch zerschlagen und auf dem Feuer verbrannt.
Das Möbelgeschäft Marcus war ja am oberen Ende der Langen Straße und da habe ich gesehen, wie die SA da einzog und die Möbel auf die Straße geworfen hat. Auch aus dem oberen Lager, die Sachen wurden einfach aus dem Fenster geworfen.
Wir haben viel in jüdischen Geschäften gekauft. Ich ging mal mit meinem Vater, so 1933 ist das gewesen, auf die Lange Straße. Da gab es ein Geschäft, das hieß Sally Hildesheimer. Und als mein Vater vorbei kam, stand Sally vor der Tür. Der verkaufte so Herrenartikel, Anzüge und so. Er sagte dann auf platt „ Emil kum rin, ick hef een Anzug für dich.“ Nee, sagte mein Vater, ich habe kein Geld.“ „Ick schrief dir einen an“, sagt er dann...“
geb. 27.3.1923 in Nienburg

Lehre als Vermessungstechniker
Studium an der Baugewerkschule Nienburg
Abschluss als Bauingenieur
Nach 1945 Studium an der Pädagogischen Hochschule Hannover
Seit 1948 Lehrer
1960 bis 1985 Rektor an der Realschule Langendamm