Kriegsgefangene
In Nienburg gab es seit 1939 Kriegsgefangenlager.

Zunächst wurden polnische Offiziere in der Mudrakaserne untergebracht. Später war das Offizierslager (Oflag) XB in elf Steinbaracken rechts und links der Ziegelkampstraße angesiedelt. Dort waren zwischen 1941 und 1944 fast ausschließlich französische Offiziere gefangen.

Das Mannschaftsstammlager (Stalag) XC bestand vermutlich seit September 1940. Die schlichten Holzbaracken lagen hinter den Steinbaracken. Das Stalag war „Durchgangsstation“ für rund 45.000 Kriegsgefangene aus bis zu 15 Nationen. Die meisten Kriegsgefangenen kamen allerdings aus Frankreich.

Alle Gefangenen wurden von Nienburg aus zu Arbeitskommandos gebracht, wo sie Zwangsarbeit verrichten mussten. Das Einzugsgebiet erstreckte sich von den Ostfriesischen Inseln über Emden, Leer, Cloppenburg, Diepholz bis nach Nienburg und wurde östlich durch den Verlauf der Weser begrenzt. Alleine im Landkreis Nienburg sind über 60 Arbeitskommandos des Stalag XC nachgewiesen.

Der Eingang zum Oflag war mitten auf der Ziegelkampstraße, hinter der Abzweigung zur heutigen Bielefelderstraße. Entlang des Stacheldrahtzaunes standen Wachtürme. Nachts erleuchteten Strahler das Gelände taghell. Im Oflag-Bereich gab es außer den Steinbaracken die Küche, die Kantine und das Krankenrevier. Die gefangenen Offiziere erhielten Briefe und Pakete. Sie mussten nicht zum Arbeitseinsatz und durften sogar Theateraufführungen und Vorträge organisieren.

Ganz andere Bedingungen herrschten für die Mannschaften und Unteroffiziere. Der Lagerkomplex bestand aus etwa 14 bis 15 kleineren und größeren Holzbaracken, darunter zwei Arrestbaracken und eine Baracke für sowjetische Kriegsgefangene, die extra eingezäunt war.

Die Kriegsgefangenen durften Briefe und (Lebensmittel-)Pakete erhalten. Sämtliche Post ging durch die Zensur. Jeder Zensor hatte einen eigenen Stempel, um die Post freizugeben.

Der Tagesablauf im Stalag XC war genau geregelt. Im Stalag sah der Tag so aus:
7 Uhr Aufstehen
8 bis 12 Uhr Arbeiten
12 bis 13 Uhr Pause
13 bis 17 Uhr Arbeiten
22 Uhr Licht gelöscht

Die Kriegsgefangenen erhielten als Lohn „Lagergeld“. Diese Papiergutscheine konnten sie in ihrer Kantine und in bestimmten Läden gegen zugelassene Ware umtauschen. Wenn dies nicht möglich war, zahlten sie den Lohn auf ein Konto ein und ließen die Bank das Geld an Angehörige überweisen.

Durch Misshandlungen und Unterernährung waren besonders unter den sowjetischen Kriegsgefangenen viele Todkranke. Sie wurden in die so genannten Sterbelager nach Reese (bei Liebenau) und Heemsen abgeschoben. Sie starben, wurden auf Karren verladen und in Massengräbern verscharrt. In Heemsen erinnert eine Gedenktafel an die verstorbenen Sowjetbürger.

Aus: Patricia Berger/Frank Thomas Gatter/Hans Klusmann-Burmeister: In fremder Erde namenlos begraben – Das Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Nienburg 1941 bis 1945; Beiträge zur Nienburger Stadtgeschichte, Reihe A Band 6, Nienburg 1991

Hans-Jürgen Sonnenberg: Gefangen hinter Stacheldraht – Aufzeichnungen über die Kriegsgefangenenlager Oflag XB und Stalag XC in Nienburg; noch nicht erschienen.