Portrait sabine Köster
Sabine Köster
„...Wir hatten in Schäferhof nachher eine Wohnung und nun mussten wir sehen, wie wir über die Runden kommen. Es war ja wirklich ganz schwierig, weil die Wohnung zwar eingerichtet war, aber man glaubt ja gar nicht, was alles dazu gehört. Zum Beispiel ein Kochtopf.. Wir hatten einen uralten, gusseisernen, schweren Kochtopf, der jeden Tag kaputt ging. Wir haben immer Gemüse und Kartoffeln aus dem Garten gekocht und brauchten den Topf. Also mussten wir jeden Tag mit dem kaputten Topf zu Schmied. Der schimpfte schon, aber wir hatten eben keinen anderen. Es gab ja nicht mal das zu kaufen, wofür wir die Marken hatten. So bekamen wir in Nienburg eben keine Butter mehr, dabei war das nur ein halbes Pfund pro Monat pro Person. Dann wurde uns gesagt, in Leeseringen, da gibt es welche. Da wir den ganzen Monat nichts hatten, bekamen wir für uns fünf Leute zwei Pfund Butter. Na, da gibt es natürlich dann Pellkartoffeln mit Butter! Wir schmausten also schön. Nur, der Erfolg war, dass wir die Butter nicht vertragen konnten, da unser Magen kein Fett gewöhnt war. Uns wurde total schlecht und wir leider alles wieder von uns gaben...

...Es gab natürlich auch keine Anziehsachen zu kaufen. Und wenn man so 15 ist, so wie wir, dann wächst man ja, auch aus den Schuhen raus. Sachen konnten man aus alten Gardinen oder Bettbezügen machen. Irgendwo bekam man schon etwas her, wo man einen Rock oder eine Bluse draus nähen konnte. Aber Schuhe kann man ja nicht machen. So hatten wir keine und gingen barfuß. Das machte uns nichts aus. Nur ins Gymnasium mit 15 Jahren barfuß zu gehen, merkwürdigerweide als die Einzigen, das war eine regelrechte Katastrophe für uns. Wir genierten uns furchtbar. Zu unserem ganz großen Glück kam ein Paket aus Schweden, in dem Leinenschuhe drin waren, die uns ganz gut passten. Bisschen eng waren sie ja, aber in der Schule konnten wir sie tragen. Damit konnten wir auch in die Tanzstunde...“
Sabine Köster

geb. von Blankenburg
geb. 1930 in Rottnow
1945 Flucht als 14-Jährige mit vier Geschwistern
Familie (sechs Kinder und Eltern) trifft sich unversehrt im August 1945 in Nienburg
Berufstätig als Gärtnerin und Altenpflegerin