Portrait Godehart
Werner D. Godehart
„.. Im Herbst 44 ging dann langsam der Unterricht dem Ende zu, weil das Gebäude unserer Schule, damals Oberschule für Jungen, als Marinelazarett genutzt wurde. Wir mussten dann unterschiedlich in verschiedenen Räumen unterrichtet werden. Eigentlich wanderten wir fast jede Stunde von irgendwo nach irgendwo hin. Zum Beispiel Sitzungssaal der Sparkasse oder damals Kreissparkasse, Sitzungssaal der Volksbank, aber auch in den Kellerräumen der Mudra-Kaserne. Und da haben wir uns dann einen Spaß gemacht, um dauernd unsere Lehrer zu versetzen, weil keiner de Lehrer wusste, wo wir eigentlich waren. Und, na ja, als Jungs haben wir natürlich ein bisschen Blödsinn gemacht, das war eben so...“

„..Gegen Ende März, Anfang April wurde ich dann eingesetzt als Volkssturm-Mann. Ich hatte eine Gruppe von drei Glasmachern, mit denen ich zusammen die Unterführung Verdener Landstraße bewachen sollte. In dieser Unterführung waren links und rechts Baumstämme angebracht, so dass man dazwischen dann größere Baumstangen rollen konnte, um die Panzer beim Durchfahren zu hindern. Was absoluter Blödsinn war, weil die Panzer hätten auch ganz einfach oben über die Bahngleise fahren können. Das wäre ja gar kein Problem gewesen. Es war dann immer etwas blöd, wenn bei der schlechten Beleuchtung der Lkw’s, die hatten ja über ihren Lampen Kappen, die nur einen ganz kleinen Schlitz hatten und deshalb ganz wenig sehen konnten. Dann sind die häufig nachts dagegen gefahren und dann konnte man keine Baumstämme mehr da rein rollen. Und musste das wieder auseinander machen, damit überhaupt etwas dazwischen passte. Aber es war auch so, dass die drei Glasmacher, die meine Gruppe waren, die ich mit meinen 15 Jahren befehligen sollte, zu denen ich damals aber wirklich noch „Onkel“ sagte - zum Beispiel Onkel Küster, der Vater von der heutigen Frau Bässmann, der bei uns Hüttenmeister war - dass die zu mir sagten, „Mensch Werner, geh’ doch nach Hause, wir passen schon auf.“ Nun durfte ich das natürlich aber nicht, weil ich ja die Verantwortung da tragen sollte, gar nicht konnte. Aber bitte sehr, so war das eben. Und dann haben wir da bei der Frau Heyer, später dann Frau Dahme, im Keller geschlafen. Da war uns ein Raum zugeteilt, das war unser – ich sag’ jetzt mal Befehlsstand – oder so etwas Ähnliches. Und haben denn da gesessen und geschlafen. Einer war draußen und passte auf, ob da was passierte. Aber es passierte natürlich gar nichts. Denn die deutschen Laster, die fuhren ja nicht, weil sie kein Benzin hatten und die Engländer waren noch nicht da. Aber als sie dann da waren, fuhren die einfach geradeaus durch. Da gab es kein Verteidigen mehr in dem Sinne. Was hätten wir denn machen sollen? Wir hatten ja holländische Gewehre und deutsche Munition. Völlig irre, konnste überhaupt nichts mit anfangen. Da passte überhaupt nicht eins zum anderen. Da hatten wir drei Panzerfäuste. Aber die waren uns so gefährlich, dass wir die im Garten vergraben haben.....“
Werner D. Godehart

geb. 21.8.1929 in Nienburg
Besuch der Katholischen Volksschule und
der Oberschule für Jungen bis 1945
Industriekaufmann in Bremen, Brasilien und Jamaica
1960 zur Glasfabrik Wilhelmshütte Himly-Holscher&Co
bis 1994 dort als Prokurist tätig