Portrait Friedrich Dreppenstedt
Friedrich Dreppenstedt
Friedrich „Fritz“ Dreppenstedt
geb 25.2.1929 in Wölpe
Ausbildung als Maurer
30 Jahre bei der ehemaligen Kalichemie als Industriemeister
„...Anfang 1945 nahmen die feindlichen Fliegerangriffe – vor allen Dingen auf Berlin, Magdeburg – stark zu. Und wir hatten fast den ganzen Tag Fliegeralarm. Die Amerikaner kamen am Tag und die Engländer in der Nacht. Wir konnten die Bomberverbände sehr gut sehen. Sie flogen etwa in einer Höhe von 5000 Metern. Eines Tages war morgens sehr früh Fliegeralarm. Wir wurden in der Schule aufgefordert, nach Hause zu fahren. Ich tat das auch und war gerade zu Hause angekommen, da sah ich ein Flugzeug aus den Wolken niederstürzen. Es kam aus südlicher Richtung. Es brannte und dann kam aus den Wolken auch ein Fallschirm. Das Flugzeug schlug etwa zwei bis drei Kilometer von meinem Wohnhaus auf. Wir sahen auch den Fallschirm und da man damals befürchtete, dass feindliche Fallschirmjäger landen würden, habe ich mich gleich auf die Suche gemacht. Ich bin auf den Kirchturm gelaufen. Aber der Kirchturm in Erichshagen war leider zu niedrig, ich konnte nicht weit sehen. Ich bin dann in Richtung Holtorf gelaufen. In der Nähe der jetzigen Badeanstalt auf einer Wiese sah ich den Fallschirm. Es waren schon mehrere Frauen und Männer da. Der Pilot lag auf der Erde. Sein Fallschirm hatte sich im Weidezaun verfangen und er hatte den Gurt um den Hals bekommen, so dass er Gefahr lief, zu ersticken. Der ältere Herr, August Hüttmann, später auch Bürgermeister in Holtorf, hat ihn befreit von dem Gurt. Der Pilot stöhnte und bat um Wasser. Ein Hilfspolizist kam dazu mit gezückter Pistole: „Was will er?“ Ich sagte zu ihm, der möchte Wasser. „Der kriegt kein Wasser!“ Der Hüttmann sagte dann: „ Ich bin Soldat gewesen und war schwer verwundet und ich hätte, wenn ich in Gefangenschaft gekommen wäre, auch erwartet, dass ich Wasser bekomme. Ich hole ihm Wasser.“ Eine Frau lief dann und holte ihm Wasser. Später kam dann auch unser Ortsbürgermeister dazu, den ich gut kannte und der war mit dem Motorrad da. Er fragte mich: „Willst du mitfahren? Ich will noch mal zu dem abgestürzten Flugzeug.“ Wir konnten nur aus einiger Entfernung das Flugzeug sehen. Es brannte furchtbar und es explodierten immer Bomben. Es sah so aus, als wäre es mit Phosphorbomben beladen gewesen...

...Später wurde nach der Besatzung dieses Flugzeuges gesucht. Wir sind davon ausgegangen, dass alle verbrannt waren. Aber ich konnte dem Enrico Schwarz den entscheidenden Hinweis geben und ihm die Stelle zeigen, wo das Flugzeug abgestürzt war. Enrico Schwarz hat dann Reste der Besatzung zu finden und es ist ihm auch gelungen. Er hat einige Hundemarken, „dog market“, Erkennungsmarken gefunden und anhand von Knochenresten konnten die Besatzungsmitglieder identifiziert werden. Sie sind alle im letzten November (2002) auf dem amerikanischen Friedhof Arlington mit militärischen Ehren beerdigt worden...“